Anwohner bezweifeln Bedarf an neuen Mietwohnungen

Geplanter Neubau an der Laarmannstraße

Dass unsere Genossenschaft in Bedingrade auf dem Gelände der Franziskusschwestern dringend benötigten Wohnraum schaffen will, ist hinlänglich bekannt. Dort sollen nach Planungen von Essen-Nord und der Stadt Essen auf dem 2,5 Hektar großen Gelände rund 100 bis 110 altengerechte Wohnungen, eine dreizügige Kita und ein 1.400 Quadratmeter großer Spielplatz entstehen. „Das alles benötigen wir dringend, um der wachsenden Wohnungsnot Herr zu werden“, sagte Eva Fendel vom Stadtplanungsamt. Die zusätzlichen Kita-Plätze und der große öffentliche Spielplatz verbesserten zusätzlich die Infrastrukturangebote im Stadtteil.

Hört sich doch alles sehr gut an, könnte man meinen – wenn es da nicht die direkten Nachbarn des Geländes gäbe, die seit einigen Wochen mit den unterschiedlichsten Argumenten versuchen, das Vorhaben zu torpedieren. Mal – so schreiben sie in den Sozialen Medien – dürfe wegen angeblichem Landschaftsschutz dort überhaupt nicht gebaut werden, mal seien Kinder durch den „deutlich zunehmenden Verkehr“ an Leib und Leben gefährdet, die Bauweise sei zu dicht und dringend benötigte Frischluftschneisen für den Stadtteil würden wegfallen. Überhaupt gäbe es keinen besonderen Bedarf an zusätzlichem Wohnraum, da die Stadt immer kleiner werde. (Wer derzeit eine neue Wohnung zu einem akzeptablen Preis sucht, wird dies wahrscheinlich anders sehen.)



Öffentliche Informationsveranstaltung

Die Stadt Essen bot Anfang Dezember im Rahmen der „Frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung“ eine Informationsveranstaltung an, um die Sachlage vorzustellen. Das war aber nicht so einfach, weil viele Teilnehmer schon im Vorhinein gedanklich festgelegt waren und sachliche Informationen mit dem Hinweis „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ diskreditierten. Etwa im Bereich des Verkehrs: Gutachter Dr. Frank Weiser, der mit seinen 50 Beschäftigten deutschlandweit arbeitet, bescheinigte dem Gebiet augenblicklich an 14 Messpunkten eine gute bis sehr gute Verkehrsqualität, die sich durch das Bauvorhaben nur an einer Stelle von gut auf befriedigend verschlechtern würde. Er regte die Kritiker an, selbst eine Messung durchzuführen, um dies zu überprüfen. Man darf gespannt sein, ob dies nun geschieht und welche Ergebnisse dabei erreicht werden können.

Knapp 100 Leute waren in die Aula des Mädchen-Gymnasiums Borbeck gekommen, um sich über das Bauvorhaben von Essen-Nord zu informieren. Viele davon mit vorgefassten Meinungen, sodass die Fachleute der Verwaltung es nicht immer einfach hatten, mit sachlichen Argumenten durchzudringen.

Eine Investition muss wirtschaftlich sinnvoll sein

Immer wieder wurde die Zahl von 100 bis 110 neuen Wohnungen kritisiert und dass dadurch der Stadtteil über Gebühr belastet würde. Dem Investor Essen-Nord wurde maximal profit-orientiertes Denken und Handeln vorgeworfen, als sei unsere Genossenschaft eine „Heuschrecke“. Moderator Andreas Müller, stellv. Leiter des Stadtplanungsamtes, hatte es da schwer, mit seinen Argumenten durchzudringen: „Wenn man ein Haus altengerecht baut, macht es wirtschaftlich nun mal keinen Sinn, einen Aufzug einzubauen, wenn der nur ein oder zwei Geschosse erschließt.“ Dennoch plane Essen-Nord keine Hochhäuser, sondern maximal viergeschossige Gebäude.

Er wies in seiner Moderation darauf hin, dass Hintergrund der gesamten Baumaßnahme der Wunsch der Franziskanerinnen gewesen sei, die Flächen zu verkaufen, um Rücklagen für die eigene Alterssicherung zu haben. Es sei nicht Essen-Nord gewesen, die die Initiative ergriffen und die Schwestern „über den Tisch“ gezogen hätten, wie teilweise gemutmaßt wurde.

Planung Laarmannstraße

Am Ende der über zweistündigen Veranstaltung gab es wenig Annäherung zwischen den beiden Seiten: Jetzt darf man gespannt sein, welche Linie die Stadt und die örtliche Politik verfolgen werden. Im kommenden Frühjahr wissen wir mehr …

Wie geht es jetzt weiter?

Unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Öffentlichkeitsbeteiligung und der frühzeitigen Beteiligung der Behörden und sonstiger Träger öffentlicher Belange erstellt die Stadtverwaltung nun den förmlichen Bebauungsplanentwurf, der dann inkl. Begründung einen Monat öffentlich ausgelegt wird.

Während der öffentlichen Auslegung können erneut Stellungnahmen zum Bebauungsplan vorgebracht werden, auch von Bürgern, die nicht unmittelbar von der Planung betroffen sind. Parallel zur Offenlage werden die Behörden und die sonstigen Träger öffentlicher Belange erneut beteiligt. Die Verwaltung wertet die Stellungnahmen aus und legt sie dem Rat zur Entscheidung vor. Der Rat wägt die öffentlichen und privaten Belange gegeneinander und untereinander ab und entscheidet über ihre Berücksichtigung oder Zurückweisung. Den Einsendern von Stellungnahmen wird das Ergebnis der Entscheidung mitgeteilt. Nach der Bekanntmachung des Beschlusses ist der Bebauungsplan eine rechtskräftige Satzung (Ortsrecht) und somit Grundlage für die Umsetzung.